Neuss, Juli 2026.
Neuss · Florian Kaiser spielt mit Weltklassespielern – aber nur selten gegen sie. Der 25-Jährige hat seinen Traum von der Profikarriere bewusst aufgegeben und einen neuen Weg eingeschlagen. Wie er seine Rolle beim TC BW Neuss sieht.
Seit der Saison 2024 ist Florian Kaiser eine Konstante beim TC BW Neuss. Während die Profis aus aller Herren Länder in der Regel von Wochenende zu Wochenende in den Spielen der Tennis-Bundesliga wechseln, ist Kaiser immer dabei. Allerdings nur ganz selten auf dem Platz. Und in der neuen Spielzeit, die am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den TK GW Mannheim beginnt, sinken die Chancen des inzwischen 25-Jährigen auf Einsätze noch weiter. Denn die Neusser haben ihren Kader in der Spitze und in der Breite deutlich verstärkt.
Als Kaiser 2024 von Krefeld nach Neuss wechselte, weil er dort auch in der Tennisschule von BW-Teamchef Marius Zay trainierte, standen die Chancen, für BW auch mal aktiv ins Geschehen eingreifen zu können, noch deutlich besser. Denn damals spielten die Neusser nach einem nicht eingeplanten Abstieg in der 2. Liga, in der die Mannschaften mit sechs Spielern gegeneinander antreten. Und tatsächlich kam Florian Kaiser ausgerechnet am letzten Spieltag im Doppel zum Einsatz, als die Neusser in Krefeld die Rückkehr ins Oberhaus perfekt machten. Auch 2025 durfte er mal im Doppel ran. Ob es dazu auch in der neuen Spielzeit kommt, ist allerdings fraglich. Schließlich verpflichteten die Blau-Weissen auch noch zwei ausgewiesene Doppelspezialisten, um sich breiter aufzustellen und in den engen Matches die Siegchancen zu erhöhen.
„Klar wird es schwer, Einsätze zu bekommen. Aber ich bin bereit, wenn ich gebraucht werde und freue mich auf jedes Spiel“, sagt Florian Kaiser, der kein Problem mit seiner Rolle hat. Als er als talentierter Nachwuchsspieler im Alter zwischen 15 und 16 Jahren die Entscheidung treffen musste, ob er es wagt, auf die Profikarte zu setzen, entschied er sich für den sicheren Weg und machte zunächst Abitur. Anders zum Beispiel als der Duisburger Tom Gentzsch, gegen den er früher häufiger spielte. Der 22-Jährige ist bei Challenger-Turnieren unterwegs und bestreitet beim aktuellen Deutschen Meister TC Bredeney in der Meisterschaft auch Einzelspiele.
Florian Kaiser spielt zwar auch Turniere auf der ITF Future Tour, so etwas wie die 3. Liga im internationalen Tenniszirkus, und trainiert in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison täglich, doch er träumt nicht mehr davon, den großen Durchbruch bei den Profis zu schaffen. Beruflich will er künftig als Tennistrainer arbeiten, entsprechende Ausbildungen und Lizenzen hat er schon gemacht. Jetzt gilt aber der Fokus der neuen Saison. Er genießt es, an den Spieltagen mit den Topspielern Zeit zu verbringen.
„Die Chemie stimmt einfach. Man merkt, dass die Jungs Bock auf BW haben“, betont Florian Kaiser. Er kann sehr gut einschätzen, welche Qualität die Topprofis auf den Platz bringen und dass es deswegen so gut wie unmöglich sein wird, wieder für BW in der 1. Liga aufschlagen zu dürfen. Zumal dort nur vier Einzel gespielt werden. Florian Kaiser weiß um seine Rolle bei den Neussern und versucht, sie so gut wie möglich auszufüllen. Beim Aufwärmen ist er eine Art Sparringspartner. „Bei den Spielen fiebere ich dann mit und versuche, den Jungs ein gutes Gefühl zu geben und so ein bisschen Einfluss zu nehmen.“
Saisonstart: Sonntag, 5. Juli 2026
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